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30.09.2013
Erbfehlern auf der Spur: Genomische Selektion als neue Möglichkeit!

Es war immer das Bestreben der Züchter, durch Selektionsmaßnahmen die erwünschten Erbanlagen in einer Population zu vermehren und die Frequenz von unerwünschten Erbanlagen zu reduzieren. Durch die genomische Selektion stehen den Züchtern wesentlich mehr Möglichkeiten als bisher zur Verfügung. In den letzten Monaten gelang es den Wissenschaftlern der TU München und der ZuchtData in Wien durch Vernetzung des Wissens Tests für eine Reihe von bisher zum Teil noch unerkannter Erbfehler bei Fleckvieh zu entwickeln. Zu dieser Entwicklung trug die systematische Probensammlung und die Meldung der Züchter ganz wesentlich bei. Es sollte jedem bewusst sein, dass jedes Tier in seinem Erbgut sogenannte Erbfehler aufweist. Da die meisten dieser Erbfehler allerdings extrem selten vorkommen und auch nur dann sichtbar werden, wenn sie vom Vater und von der Mutter vererbt werden, werden die Auswirkungen selten beobachtet. Nichts desto trotz ist es unser Ziel, die neuen Erkenntnisse in der Zucht systematisch zu berücksichtigen. Das Auftreten von Erbfehlern und das damit verbundene Tierleid bzw. der wirtschaftliche Schaden muss durch Anpaarungsstrategien verhindert werden. Ziel soll es sein, die Frequenz dieser „Schadgene“ in der Population durch Selektion zu reduzieren. Dies wird aber nicht von heute auf morgen möglich sein. Genauso wie es nicht möglich ist, dass alle Tiere von heute auf morgen genetisch hornlos sind.


EUROgenetik für rasche Senkung der Genfrequenz bekannter Erbfehler

EUROgenetik und deren Basisorganisationen nehmen das Auffinden von Erbfehlern in der Fleckviehzucht sehr ernst und arbeiten an der Entwicklung von genomischen Tests aktiv mit. Das gemeinsame Ziel, das Auftreten von Erbfehlern zu vermeiden und die Genfrequenz dieser in der Population zu senken, wird vorrangig vorangetrieben.

  • Höchste Priorität hat eine durchgängige Kennzeichnung aller Besamungsbullen, die das Allel eines bekannten Erbfehlers tragen. Alle Besamungsbullen sind auf alle bekannten Erbfehler zu testen und im positiven Fall in den Zuchtwertdatenbanken und auf den Werbemitteln eindeutig zu kennzeichnen.
  • Die EUROgenetik - Partner werden wie bisher mit vollem Engagement an der Entwicklung von weiteren Tests zur Analyse von Erbfehlerträgern mitarbeiten.
  • Es ist zwingend geboten, dass sogenannte Risikopaarungen (bei denen Tiere mit Erbfehler auftreten können) vermieden werden. Hierzu sind auch Anpaarungsprogramme ein wesentliches Hilfsmittel. Die angebotenen Anpaarungsprogramme sind so zu erweitern, dass solche Risikopaarungen vermieden werden.


Zwergwuchs („DW“)

Der Erbfehler Zwergwuchs ist den Züchtern schon von früher her bekannt, da dieser Erbfehler auch durch den Bullen Polzer weitergegeben wurde. Der Erbfehler ist in der Fleckviehpopulation mit einer Frequenz von ca. 1 % sehr selten. Zwergwüchsige Kälber werden aber vor allem bei der Kombination von Anlageträgern beobachtet. Leider ist auch Wille Anlageträger für Zwergwuchs. Durch die konsequente Vorgangsweise konnte in den letzten Wochen ein Test entwickelt werden, der durch Ihre Zwergwuchsmeldungen nun in einer überarbeiteten und verbesserten Version vorliegt. Anlageträger werden in Zukunft mit „DW“ gekennzeichnet. DW steht für dwarfism (englisch für Zwergwuchs).

 

Minderwuchs („FH2“)

Im Zuge des Aufrufes der oberösterreichischen Besamungsstation zur Meldung von zwergwüchsigen Kälbern wurde eine Reihe von Kälbern gemeldet. Durch diese Daten konnte ein Verdacht der Wissenschaftler bestätigt werden. Es gibt sozusagen eine zweite genetische Ursache für verminderten Wuchs. Die Frequenz ist in der Fleckviehpopulation mit 4 % nicht so selten. Der Erbfehler verursacht ein Problem im Glukosestoffwechsel des Tieres, wodurch es zu einem Minderwuchs der, oft am Beginn ganz normal entwickelten, Kälber kommt. Die bekanntesten Anlageträger sind die Stiere Winnipeg, Waldbrand, Witzbold und Rumgo. Auch für diesen Erbfehler sind die Ergebnisse abgesichert und können nun in der Zucht berücksichtigt werden. Anlageträger werden mit „FH2“ gekennzeichnet.


Thrombozytopathie ("TP")

Mischerbige Tiere Tiere sind nach aktuellem Wissenstand gesund. Tiere die reinerbig sind für Thrombozytopathie weisen eine Störung in der Blutgerinnung auf. Das heißt die Blutgerinnung ist verzögert. Bei Verletzungen kann dies im schlimmsten Fall auch zum Tod des Tieres führen. Mischerbige Tiere haben keine verzögerte Blutgerinnung und weisen auch sonst keine unerwünschten Symptome auf. Bekannte Anlageträger für diesen Erbfehler sind z.B. die Stiere Regio, Resolut, Rumba oder Vanstein. Die Frequenz für diesen Erbfehler liegt in der Fleckviehpopulation zwischen 7 und 8%. Auch für diesen Erbfehler steht nun ein Gentest zur Verfügung.


Bovine heridäre Zinkdefizienz ("ZDL")

Liegt die Erbanlage für diesen Erbfehler bei einem Kalb in reinerbiger Form vor, kommt es sehr früh zur Veränderung und einer Verhornung der Haut. Die Kälber leiden, eine Behandlung ist nicht möglich. Dieser Erbfehler geht auf den Stier Streitl zurück. Die Frequenz ist in der aktuellen Fleckviehpopulation mit 1% angegeben und ist damit sehr niedrig.


Abkürzungen:

DW:   mischerbiger Träger von Zwergwuchs

FH2:  mischerbiger Träger einer Stoffwechselerkrankung, die reinerbig zu deutlichem Minderwuchs führt

TP:     mischerbiger Träger von Thrombozytopathie, die reinerbig zu verzögerter Blutgerinnung führt

ZDL:  mischerbiger Träger von heridärer Zinkdefizienz, die reinerbig zu Hautverhornung beim Kalb führt

 

Die Anlageträger für diese Erbfehler sind in den Zuchtwertdatenbanken (ZAR und BAZI) gekennzeichnet und werden auf den Homepages der AGÖF (www.fleckvieh.at) und der ASR (www.asr-rind.de) veröffentlicht. Bei der genomischen Untersuchung von Kälbern werden die Ergebnisse ausgewiesen und dem Züchter entsprechend mitgeteilt. Bei Fragen empfehlen wir, dass sich die Züchter mit ihrem Zuchtverband in Verbindung setzen.


Trägerliste gesamt (DW, FH2, TP, ZDL)

Trägerliste DW

Trägerliste FH2

Trägerliste TP

Trägerliste ZDL


Information DW und FH2

Information TP

Information ZDL


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