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07.04.2016
Neuer GZW und neuer Zuchtwert Vitalitätswert
Wettendass – Tochter ALEXA (Zü: Hubert Kreckl, Windpaissing)
Wettendass – Tochter ALEXA (Zü: Hubert Kreckl, Windpaissing)

Dr. Christian Fürst, Dr. Christa Egger-Danner, Dr. Hermann Schwarzenbacher, ZuchtData

und Priv.-Doz. Dr. Birgit Fürst-Waltl, BOKU für das ZWS-Team Deutschland-Österreich-Tschechien

 

In Österreich und Deutschland werden derzeit für jeden Stier bei jeder Zuchtwertschätzung Zuchtwerte für ca. 50 verschiedene Merkmale geschätzt und veröffentlicht. Entsprechend ihrer Bedeutung werden die Merkmale im Gesamtzuchtwert (GZW) zusammengefasst. Im April gab es beim GZW, aber auch bei den Fitness-Zuchtwerten wichtige Weiterentwicklungen.

 

Der neue Gesamtzuchtwert 

Fleckvieh

Die neue Gewichtung verschiebt sich von 38 : 16 : 46 für Milch : Fleisch : Fitness geringfügig auf 38 : 18 : 44% (Tabelle 1). Mit der etwas höheren Gewichtung des Fleischkomplexes und der gleichzeitigen Verschiebung der Gewichtung innerhalb des Fleischblocks auf die Schlachtqualitätsmerkmale wird der großen Bedeutung der Doppelnutzung Rechnung getragen. Innerhalb des Milchblocks verschiebt sich die Gewichtung von Fett-kg zu Eiweiß-kg von 1 : 10 auf 1 : 1,4 und entspricht damit der wirtschaftlichen Realität nach dem Wegfall der Milchquote. Innerhalb des Fitnessblocks sind die wichtigsten Änderungen die Verdoppelung des Gewichts für den Fruchtbarkeitswert (FRW) und die Einbeziehung des neuen Merkmals Vitalitätswert (VIW). Der Kalbeverlauf paternal wird nicht mehr im GZW berücksichtigt, da bei diesem Merkmal von den Besamungsorganisationen bzw. den Züchtern ohnehin strenge eigene Selektionsgrenzen gelten.

 

In Tabelle 1 sind neben den Gewichten auch die theoretisch zu erwartenden Zuchtfortschritte in den einzelnen Merkmalsblöcken bei ausschließlicher Selektion nach dem bisherigen bzw. neuen GZW dargestellt. Beim Fleckvieh verschiebt sich mit dem neuen GZW das Verhältnis des relativen monetären Selektionserfolgs von ca. 75 : 10 : 15 für Milch : Fleisch : Fitness auf ca. 70 : 10 : 20 etwas zugunsten der Fitness.

  

Tabelle 1: Wirtschaftliche Gewichte pro genetischer Standardabweichung (%) und theoretischer Selektionserfolg in kg (Milch, Fett, Eiweiß) bzw. ZW-Punkten (Fleisch und Fitness) pro Generation bei Selektion nach GZW beim Fleckvieh.

 

 

 

Gewichte

Selektionserfolg

 

 

bis Dez. 2015

ab April 2016

bis Dez. 2015

ab April 2016

 

Merkmale

rel. (%)

rel. (%)

rel. (%)

rel. (%)

kg, ZW

rel. (%)

kg, ZW

rel. (%)

Milch

Milch-kg

0

38

0

38

363

75

325

70

 

Fett-kg

4,4

 

18,6

 

15

 

13

 

 

Eiweiß-kg

33,4

 

19,4

 

12

 

10

 

Fleisch

Nettozunahme

7,3

16

4

18

5

10

3

10

 

Handelsklasse

4,6

 

7

 

1

 

2

 

 

Ausschlachtung

4,6

 

7

 

2

 

1

 

Fitness

Nutzungsdauer

13,4

46

10

44

2

15

4

20

 

Persistenz

2,0

 

3

 

2

 

2

 

 

Fruchtbarkeit (FRW)

6,8

 

14

 

0

 

0

 

 

Kalbeverlauf paternal

1,8

 

0

 

0

 

0

 

 

Kalbeverlauf maternal

1,8

 

1

 

3

 

4

 

 

Totgeburten paternal

4,0

 

-

 

1

 

-

 

 

Totgeburten maternal

4,0

 

-

 

2

 

-

 

 

Vitalitätswert (VIW)

-

 

5

 

-

 

4

 

 

Eutergesundheit (EGW)

9,7

 

10

 

0

 

2

 

 

Melkbarkeit

2,0

 

1

 

3

 

3

 

 

 

Braunvieh 

Die neue Gewichtung verschiebt sich von 48 : 5 : 47 für Milch : Fleisch : Fitness leicht auf 50 : 5 : 45% (Tabelle 2). Innerhalb des Milchblocks ändert sich die Gewichtung von Fett-kg zu Eiweiß-kg von 1 : 10 auf 1 : 1,7. Innerhalb des Fitnessblocks sind die wichtigsten Änderungen die deutliche Erhöhung des Gewichts für den Fruchtbarkeitswert (FRW) und die Einbeziehung des neuen Merkmals Vitalitätswert (VIW). Kalbeverlauf paternal und Melkbarkeit werden nicht mehr im Gesamtzuchtwert berücksichtigt, da bei diesen Merkmalen in der Praxis strenge Selektionsgrenzen gelten. Beim Selektionserfolg bleibt das Verhältnis mit 90 : 0 : 10 für Milch : Fleisch : Fitness ähnlich wie bisher.

 

Tabelle 2: Wirtschaftliche Gewichte pro genetischer Standardabweichung (%) und theoretischer Selektionserfolg in kg (Milch, Fett, Eiweiß) bzw. ZW-Punkten (Fleisch und Fitness) pro Generation bei Selektion nach GZW beim Braunvieh.

 

 

 

Gewichte

Selektionserfolg

 

 

bis Dez. 2015

ab April 2016

bis Dez. 2015

ab April 2016

 

Merkmale

rel. (%)

rel. (%)

rel. (%)

rel. (%)

kg, ZW

rel. (%)

kg, ZW

rel. (%)

Milch

Milch-kg

0

48

0

50

360

89

371

90

 

Fett-kg

4,8

 

20,7

 

16

 

15

 

 

Eiweiß-kg

38,4

 

27,8

 

13

 

12

 

 

Eiweiß-%

4,7

 

1,5

 

0,00

 

-0,01

 

Fleisch

Nettozunahme

2,2

5

3

5

2

0

1

0

 

Handelsklasse

1,4

 

1

 

-2

 

-1

 

 

Ausschlachtung

1,4

 

1

 

-1

 

-3

 

Fitness

Nutzungsdauer

16,1

47

12

45

2

11

2

10

 

Persistenz

2,7

 

3

 

2

 

2

 

 

Fruchtbarkeit (FRW)

8,6

 

15

 

0

 

-1

 

 

Kalbeverlauf paternal

0,9

 

0

 

-1

 

-

 

 

Kalbeverlauf maternal

0,9

 

1

 

3

 

4

 

 

Totgeburten paternal

3,0

 

-

 

1

 

-

 

 

Totgeburten maternal

3,0

 

-

 

1

 

-

 

 

Vitalitätswert (VIW)

-

 

4

 

-

 

4

 

 

Eutergesundheit (EGW)

10,0

 

10

 

0

 

1

 

 

Melkbarkeit

2,0

 

0

 

3

 

4

 

 

Abgesehen von Änderungen in der Gewichtung der Merkmale gibt es beim GZW auch methodische Änderungen. Die genetischen Beziehungen (Korrelationen) zwischen allen Merkmalen im GZW wurden neu geschätzt und die Berechnungsmethode überarbeitet. Die bisherige Methode zeigte die Eigenschaft, dass sie zu überhöhten Streuungen der Gesamtzuchtwerte bei niedrigen bis mittleren Sicherheiten führte, weshalb eine Modifikation notwendig wurde. Mit der verbesserten Methodik wird die Streuung verringert, das heißt, die Gesamtzuchtwerte werden ‚gestaucht‘ und rücken enger zusammen. Die Stauchung der GZWe ist bei den NK-geprüften Stieren nur sehr gering, bei den genomischen Jungvererbern (GJV) und den Kühen allerdings deutlich ausgeprägt. Beim Fleckvieh verlieren GJV und Kühe z.B. mit einem bisherigen GZW von 140 oder mehr im Schnitt etwa 8 GZW-Punkte, beim Braunvieh ca. 6 Punkte. Bei den Fleckvieh-Stieren bedeutet die Umstellung, dass statt zuletzt 27 nur mehr 1 Stier einen GZW über 140 aufweisen. Bei den Braunvieh-Stieren haben nur mehr 5 Stiere statt zuletzt 21 einen GZW über 136. Da sich die Stauchung auf die NK-Stiere kaum auswirkt, rücken sie in der Rangierung nach GZW merklich nach vorne.

 

Die Stauchung ist beim MW relativ gering ausgeprägt, beim FIT allerdings auch deutlich. Die Stauchung beim FIT trifft auch die NK-Stiere, da die Fitness-Sicherheiten bei den jungen NK-Stieren noch relativ niedrig sind.

 

Neuer Zuchtwert Vitalitätswert 

In der ZWS wird im Fitnessbereich bereits eine sehr breite Palette an Merkmalen angeboten, der Zeitraum der gesamten Aufzuchtphase wurde in der ZWS aber bisher völlig vernachlässigt. Datengrundlage für die neue ZWS sind Verendungsmeldungen aus der Tierkennzeichnung. Die Erblichkeiten (Heritabilitäten) liegen im Bereich von 1 bis 3%. Der neue Zuchtwert Vitalitätswert (VIW) umfasst die Totgeburtenrate und die Aufzuchtverluste bis zum Alter von 15 Monaten. Ein höherer VIW bedeutet niedrigere Aufzuchtverluste bzw. höhere Überlebensraten.

 

Weitere Verbesserungen bei der Fitness
Eine weitere wichtige Neuerung in der Fitness-ZWS ist die Verwendung der sogenannten ‚geburtsnahe Gesundheitsbeobachtungen‘. In der neuen ZWS gehen Nachgeburtsverhaltungen aus Beobachtungen als Ergänzung der Diagnosen für frühe Fruchtbarkeitsstörungen ein, das Festliegen ergänzt die Milchfieber-Diagnosen. Die Sicherheiten steigen bei den Stieren dadurch deutlich an.

Es ist bekannt, dass eine längere Trächtigkeitsdauer zu größeren Kälbern führt und damit auch zu mehr Geburtsproblemen. Aus diesem Grund wird die Trächtigkeitsdauer bei der neuen ZWS Kalbeverlauf als Hilfsmerkmal berücksichtigt.

 

Tschechien ist beim Fleckvieh bereits seit längerer Zeit mit den Merkmalen Milch, Fleisch, Exterieur, Zellzahl und Melkbarkeit Teil der gemeinsamen ZWS. Als nächstes Merkmal erfolgte die Einbeziehung der tschechischen Daten für die Nutzungsdauer-ZWS bei der April-ZWS.

 

Resümee

Die Entwicklung des neuen GZW hat gezeigt, dass keine gravierenden Änderungen bei der Gewichtung notwendig sind. Durch die verschiedenen Änderungen, die mit der ZWS im April 2016 eingeführt wurden, kommt es zu größeren Änderungen bei den Zuchtwerten bzw. in der Rangierung der Tiere. Besonders auffällig ist dabei die Stauchung der GZWe bei Kühen und genomischen Kandidaten bzw. Jungvererbern. Dadurch sind die Zuchtwerte von NK-geprüften und genomischen Stieren jetzt noch besser direkt vergleichbar.

 

Detailinformationen sind auch in den Unterlagen des ZAR-Seminars zu finden (www.zar.at – Downloads – ZAR-Seminar).

 

 

 

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